Helena – und der „Great Divide Race“

Zu Besuch bei Andy und Betsy in ihrem wunderschönen Haus in Helena, der Hauptstadt Montanas. Andy, Vize Präsident der Adventure Cycling Association, haben wir am Tag davor in Ovando kennengelernt, vor Kathrin’s Anglerladen. Beide haben uns vom Great Dividd-Rennen im Juni erzählt: Der Gewinner war 13 Tage unterwegs für 4.200 km! (Schlafzeit pro Tag: 3,5 Stunden).

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Montana ist mindestens so groß wie Deutschland und hat – guess what? – 1 Million Einwohner. Also, wie uns unsere Gastgeberin Betsy versichert: 0,5 Einwohner pro km2. Dementsprechend hat die Hauptstadt Helena weniger als 50.000 Einwohner – dafür aber eine eigene Brauerei.

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Big Nelson Camp und Helena National Forest

Nächtigung am „Big Nelson Campground“ am Coopers Lake in Montana, der sich als winzig und sehr abgelegen herausstellt: Wir sind die einzigen Camper an diesem romantischen kleinen See. In dieser Gegend muss man sich jedenfalls daran gewöhnen, dass Campgrounds nur durch große körperliche Strapazen erreichbar sind: Nachdem sie ausgeschildert sind, dauert es meistens noch gute 10 bis 15 Meilen, bis man sich so richtig aufs Baden, Duschen, Essen (Wäschewaschen) freuen kann. Nach einem gröberen Gewitter essen wir dann am Lagerfeuer – unsere Food-Vorräte ziehen wir am langen Seil den Baum hinauf, damit wir die Bären nicht „anfüttern“.

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Heute haben wir zwei Pässe „bezwungen“, und damit 1.500 Höhenmeter gefahren und sind ganz stolz auf uns (58 km/h Spitze auf Schotter 🙂 Unsere Probleme mit der Tretkurbel haben wir noch in Lincoln beheben können, dank einer gut sortierten Eisenhandlung an der Hauptstraße „downtown“. Auf dem Weg hinunter nach Helena , der Hauptstadt Montanas, treffen wir dann Barbara mit ihren zwei Hunden, die uns ihre Hütte inmitten einer Wiese mit Lamas zur Verfügung stellt. Sie freut sich einfach über alle „Great Divide“-Radler, die sie in ihrem Haus bewirten kann. „Bitte nehmt, was ihr braucht und tragt Euch ins Gästebuch ein“, gibt sie uns noch mit. – Wir freuen uns und ziehen nach einem steilen und steinigen Downhill-Ride bester Güte 🙂 in Barbaras Hütte ein.

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Lage:

Am Rande des Helena National Forest, etwa eine Meile westlich Canyon Creek und rund 5 Meilen süd-östlich sowie einige Höhenmeter unterhalb des Stemple-Pass.

Barbara Nye
P.O. Box 455
Canyon Creek
MT 59633
Tel. 406 431 1512
marshcrk@linctel.net

Unser Tandem-Bike

Santana Tandem Mountain Bike

Testbike von Wolfgang Haas, Santana Europa / Rosenheim

Rahmen Aluminium (extrem steif, verwindet nie)
Reifen: Continental Mountain King Protected 27,5*2,4“ (halten fast alles aus, auch mit Tempo 50 über grobe Steine)
Federgabel MRP 100mm
Schaltung Shimano Kettenschaltung 3*10
Bremsen Bengal Ares Hydraulik mit Scheiben ca. 280mm (machen bei Bedarf jedes Tempo zunichte)
Hintere Sattelstütze Cane Creek Federstütze (schont den Rücken der Stokerin)

Anhänger:

Tout Terrain Einrad-Hänger. Aufhängung am Fahrrad an der Sattelstütze, Federung mit Luft-Dämpfer (springt nie und läuft auch mit 25 kg Last unauffällig nach – solange es nicht bergauf geht 🙂 )

Gesamtgewicht samt Gepäck und uns: gut 200kg!

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Holland Lake

In Bigfork am Flathead-Lake (+ wunderbare Brauerei!) campieren wir auf dem Schulcampus, eingeladen durch die amerikanische „Adventure Cycling Association“, die mit 60 Radlern vorort ist. Es regnet die ganze Nacht heftig – und am Morgen nehmen wir unser Frühstück im warmen Konferenzraum der Schule ein, inmitten der Lehrerschaft. Wir machen noch einen Abstecher durchs entzückende Downtown-Bigfork (Bakery!)

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Dann geht’s durch die Wälder (steile Anstiege und Abfahrten!) zum Holland Lake, wo wir in der Holland Lodge einchecken. „Dinner is served“ – und wunderbare Abendstimmung: einfach herrlich!

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Into the Wilde of Montana – und dann auch noch die Polebridge Bakery

Von Eureka starten wir über einen steilen Pass in das Flathead Valley: Wälder ohne Ende, dazwischen auch abgebrannte Flächen – ein ungewöhnlicher Anblick – dazu der Blick auf die Berge des Glacier National Park. Die 60 km Schotterstraßen sind technisch durchaus herausfordernd – und der Dauer-Regen macht die Fahrt noch schwieriger. 50 km lang sehen wir keine einzige Siedlung. Schließlich landen wir in einem entzückenden Ort am Ende des Tales: Polebridge. Walter und ich, wir sehen beide furchtbar aus, so komplett parniert in „Erdreich“, samt unserem Gepäck. Macht nichts: Alle anderen Biker, die in Polbridge im Laufe des Nachmittags landen, sehen nicht besser aus und schließlich trinken wir alle gemeinsam ein Bier und essen die wunderbaren Bäckereien der besten Bakery, auf die ich jemals in der Wildnis getroffen bin.

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Abends, nachdem wir im Hostel oberhalb eingecheckt und Wäsche gewaschen haben, feiern wir dann mit den Bikern des US-Adventure Cycling Club in der „Northern Light Bar“ gleich nebenan – mit Western-Live Musik.

 

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Der Sonntag bringt dann blauen Himmel „wie frisch gewaschen“ und wir nehmen den nächsten Pass, den Red Meadows Lake-Pass, in Angriff. Danach erleben wir die schnellste Abfahrt unserer bisherigen Tour, mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 55 km/h auf Schotterstraße –am frühen Nachmittag sitzen wir dann schon beim Lunch in Whitefish am gleichnamigen Lake – und fünf Stunden später bereits am Swan Lake, Tagespensum 140 km.

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Kodiak Hostel in Fernie

 

Wer jemals nach Southeast British Columbia reisen sollte, im Sommer zum Biken und vor allem im Winter zum Tiefschneefahren, der sollte im Kodiak Hostel in Fernie absteigen! Unglaubliches Flair in den Stockbettzimmern und erst recht im Pub downstairs: Zwischen ausgestopften Grizzleys und Elchgeweihen lässig am Billardtisch oder mit Einheimischen an der Rustikal-Bar zu stehen, das hat was! Dazu gibt’s dann Bob Dylan, John Denver ua und ein gutes Bier nach dem anderen. Vom Stockbett lassen sich Gebirgsketten und Skipisten problemlos besichtigen. – Frühstück mit Pancakes und Kaffee sind im ohnehin schon günstigen Zimmerpreis inbegriffen.

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Von Fernie gings dann über Schotter- und Asphaltstraßen in Richtung Montana/USA. Die Landschaft verändert sich merkbar, die Gebirge werden zu Hügeln, die Wiesen und Felder weiter – und – auffällig nach der Grenze – die Pickups werden merkbar kleiner (nach europäischen Maßstäben noch immer groß) und älter. Die Preise in den Tankstellen/SB-Märkten haben auch ein deutlich niedrigeres Niveau als die kanadischen Preis-Gipfel. Vor der Grenze bitte noch in Annis „Quality Quilt“-Laden reinschauen – es zahlt sich aus.

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Der Grenzübergang dauert cirka 15 Minuten (Fingerprints usw.) und dann sind es nur mehr wenige Meilen bis nach Eureka, wo wir neben einem kleinen Freilicht-Museum auf der Wiese campieren dürfen.

Große Überraschung im Sportgeschäft von Eureka/Montana – Walter sagt noch zu mir: „Geh lieber nicht hinein“, nachdem er kurz reingeschaut hat. Und dann bin ich wirklich überrascht (denn wer glaubt denn schon, was die Medien in Europa so über das rurale „Amerika“ so berichten … 😉 – „Save Freedom – Stop Hillary“, sagt die Verkäuferin noch mit voller Überzeugungskraft.

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Schuh-Reparatur

… auf dem Weg nach Fernie treffen wir auf einen überdimensionalen Wiesenfleck, der die gesamte Geschichte der amerikanischen Autoindustrie beinhaltet.

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Jeep, Bj 1957, frisch restauriert

Es „klingelt“ im Kopf und wir stürmen Rorys Grundstück mit der Frage nach einer Schraube für unseren Bike-Schuh. „Na klar“, sagt Rory, der sein Leben als Hirsch- und Bären-Hunter, in der Kohle-Mine von Elkford und zwischen alten Autos verbracht hat. Die Schraube ist in einer seiner zahlreichen Werkstätten rasch gefunden und zurecht geschnitten – und dann erzählt er uns sein ganzes Leben. Was für ein herrlicher Vormittag in BC!

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Suchbild: Finde den Schuh!

Wie geht’s uns nach rund 300 k ?

Walter ist wie immer quietsch-vergnügt und entspannt: Für ihn waren die vergangenen Tour-Tage eine Aufwärmübung. Bei mir sieht es anders aus: Ich spüre leichte Oberschenkel-Krämpfe am Ende jeden Tages, die ich allerdings erfolgreich mit umfangreichen Dehnungsübungen bearbeite. Was mir im Moment wirklich zu schaffen macht, ist die mittelschwere Verkühlung, die ich mir in der regnerischen Camping-Nacht zugezogen habe: Nasentropfen sind seither angesagt. Dazu kommt noch ein kleiner technischer Defekt, mein Schuh-Clip lässt sich nicht mehr am Pedal fixieren und wir werden unterwegs eine Werkstatt aufsuchen.

Gleich geht’s weiter. Wir verlassen demnächst Elkford, zum Abschied gibt’s noch ein Foto vom Hotel (mit den Motiven ist es hier nicht so leicht) – und fahren rund 90 k südlich nach Corbin.

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Elk Pass

Heute morgen um 7.45 Uhr haben wir unsere Tages-Tour begonnen – nach einem mühsamen Zelt-Abbau nach einer regnerischen Nacht: bei 6 Grad Celsius und inmitten von frisch beschneiten Berggipfeln! Der „Climb“ zum Elk ist einigermaßen herausfordernd: mit steilen Anstiegen, wo wir unser Tandem zum ersten Mal schieben mussten und dann hinauf in die wunderschöne, flache, Passebene.

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Hinunter gings dann durchs Elk River Valley, 80km lang bis Elk Ford. Hier hat es dann Wildlife pur gegeben: gleich zwei kleine Hirsche sind uns buchstäblich über den Weg gelaufen – von Bären oder Elchen (!) keine Spur.

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Nach knapp 90 km sind wir dann im strömenden Regen in Elkford gelandet, ein schlichtes Dorf am Rand einer gigantischen Kohlemine. Die nasse Schotterstraße hat uns und unser Bike ziemlich „paniert“. Da half nur der Wasserschlauch des auf Minen-Fahrzeuge eingerichteten Motels.

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