Nach 5.200 km: San Diego

Noch steht ein Pass auf unserem Weg nach San Diego. Wir radeln aus der Depression El Centro (10 m unter Meeresspiegel) ueber die Interstate auf 1.200 m hoch. Von dort wechseln wir auf eine Landstrasse entlang der Grenze zu Mexiko. Wunderschoene alte Baeume ziehren die Granitbloecke – wir fahren durch ein wildromantisches Kalifornien, wo wir ab und an auf Grenzpatroullien treffen.

Durch Huegeln geht es nach Chula Vista, wo wir den Pazifik und die Coronado Beach erreichen. Am Freitag morgen bringt uns das Ferry-Boat dann die letzte Meile nach San Diego Down Town.

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Kaktus im Wasser – 50 Grad C

Von Presscott geht es noch durch wunderbare Waelder ueber einen Pass und dann 1.000 Hoehenmeter ueber lange Serpentinen in die ueblicherweise trockene Steppe/Desert. Allerdings hat Mitte August der Monsun eingesetzt, und wir radeln uns zwischen schaurigen Gewitterzellen mit Starkregen in die mit Kakteen uebersaehte Landschaft.

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Abrupt kommt dann der Wechsel nach dem Ueberschreiten des Colorado-River nach Kalifornien: Statt Steppe gibt es hier Agrar-Landschaften mit Getreide, Baumwolle und Zuckerruebe.

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Richtig ‚hot‘ – und zwar unertraeglich – wird es dann auf dem Weg nach El Centro. Auf der Zwischenstation in Glamis, einer 2-Seelen-Gemeinde, fallen wir ziemlich erschoepft und ausgetrocknet in den einzigen Shop weit und breit hinein.

DSCN7801[1]Die Inhaberin bereitet sich mit ihrem Assistenten gerade auf die Herbst-Saison vor: Glamis ist das Zentrum des Sand-Duenen-Motorsport: Dann duesen die Amis mit allem, was Motor hat, durch die Wueste.

Die Hitze setzt auch unseren Reifen zu: Alle Schlaeuche platzen und lassen sich bei dieser Temperatur – um die 50 Grad Celsius – nicht mehr reparieren. Ein Pick up bringt uns durch die Duenen zum naechsten Rad-Shop nach El Centro.

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Exkurs: Bier und Brauereien

Wir sind in die USA gekommen mit der Erwartung, hier ausschließlich Budweiser vorzufinden – weit gefehlt!

Jede Kleinstadt, die etwas auf sich hält, unterhält eine kleine Brauerei. In den angeschlossenen Lokalen lässt es sich herrlich speisen.

Alle Shops, die Bier verkaufen (nicht jedes Geschäft verkauft Alkohol) führt eine Vielzahl an Marken. Auch die Bars beschränken sich nicht auf nur eine Brauerei. Budweiser und Coors gibt es überall, aber die lokalen Spezialitäten füllen die Kühlregale.

Viele Sorten werden auch als Leichtbiere angeboten. „Bud Light“ schmeckt eher nach Sodawasser.

Unser Favorit ist die Sorte „Amber Ale“, ein hopfiges, bräunliches, herrlich erfrischendes Bier. Ein Genuss nach einem Tag Radeln.

Für die meisten Getränke gibt es Refills nach Wunsch – Kaffee, Tee, Soft-Drinks – leider nicht für Bier 🙂

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Grand Canyon

Von Flaggstaff geht es nach Norden. Erst mal böse Überraschung: die neuen Schläuche gehen reihenweise kaputt – vier Mal reparieren.

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Wir lassen uns die Vorfreude auf den Grand Canyon aber nicht nehmen und radeln mit Volldampf von Flaggstaff knapp 50 Meilen bergab zur Abzweigung zum Grand Canyon National Park, South Rim. Wir passieren kleine Siedlungen im wüstenartigen Gebiet und die zahlreichen Souvenir-Läden der indigenen Bevölkerung.

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Nun geht es wieder bergauf, 800 Höhenmeter auf rd. 2.200 m und die ersten Canyons zeigen sich.

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Nach harten 27 Meilen bergauf – bei abwechselnd stechender Sonne und Regenschauer – dann der „View“ vom South Rim auf den Grand Canyon: ein unbeschreibbar großartiges Erlebnis.

Wir verbringen zwei Nächte an der sogenannten Südkante (South Rim) des Canyons und staunen über die schroffen Canyons.

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Was uns noch mehr erstaunt, sind die heftigen Regenfälle am Abend und die Kälte. In der Kantine am Grand Canyon „Market Plaza“ herrscht Donnerstag abends Hochbetrieb: Die Hiker- und Biker-Community hat sich vor den Regenschauern hingeflüchtet. Und wir sind froh, dass wir unsere warme Kleidung, die wir spätestens in New Mexiko zurückzulassen wollten, noch an Bord haben 🙂

Am nächsten Tag geht’s über den Highway (sehr mühsam!) in Richtung Süden in die Kleinstadt Williams, die ganz auf 50er und 60er-Jahre spielt und ihre Lage an der Route 66 ausspielt.

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Bye-Bye Great Divide …..

Am vergangenen Sonntag haben wir – 40 km nach Grants – die sogenannte „Great Divide“-Route verlassen – dazwischen eine Reise durch den landschaftlich wunderschönen Zuni-Canyon.

Achtung: Auf der Strecke ins Navajo-Reservat,  nach Zuni Pueblo, befinden sich gekennzeichnete und nicht gekennzeichnete Natur- und Kulturdenkmäler: sehenswert!

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Am Tag darauf überschreiten wir dann die Grenze von New Mexiko nach Arizona. Unser Ziel: Der Grand Canyon.

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Nun folgen zu unserem Leidwesen Highways, vergleichbar unseren Landes- bzw Bundesstraßen.

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Wir müssen aber auch auf die Interstate 40 (vglb. unserer Autobahn) – und das wird unangenehm. PKWs und LKWs brausen mit 65 mph an uns vorüber. Der Pannenstreifen – offiziell für Radfahrer freigegeben – ist voller Steine, Glasscherben und Reifenteile. Es dauert nicht lange, schon hat sich ein Stahldraht aus einem LKW-Reifen in unseren Schlauch gebohrt – Reparatur am Autobahn-Pannenstreifen ;-(

Wir wollen die Strecke bis Flaggstaff rasch hinter uns bringen und radeln an diesem Tag 204 km.

In einem Bike-Shop in Flaggstaff können wir endlich unsere überfälligen Reparaturen am Tandem vornehmen: 4 gebrochene Speichen ersetzen, neue Ketten montieren, den abgefahrenen Reifen unseres Anhängers ersetzen, neue Schläuche und Flickmaterial besorgen.

!Wir – nach fast 4.000 km Tandem-Radeln …..

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Walter und ich, strampeln jetzt die 7. Woche und haben fast 4.000 km auf Asphalt, Schotter-, Sand- und Felswegen hinter uns gebracht – und 40.000 Höhenmeter (das sind die mühsameren). Wir schleppen ein Gesamtgewicht von gut 200 kg mit uns (Eigengewicht samt Bike-Gewicht, Gepäck am Trailer und am Rücken). In den vergangenen Wochen haben wir insgesamt fast 8 kg an Körpergewicht verloren, vermuten wir … Walter mehr, bis zum Southpass hat er mich auch einigermaßen „mitgeschleppt“ – dann bin ich allerdings so richtig in Schwung gekommen – meint er. Zum Streiten sind wir nur ein paar Mal kurz gekommen, der Grund ist fast immer derselbe: Täglich kurz nach 6am von der Matte und um 8 auf dem Tandem macht mich wahnsinnig – findet er aber sinnvoll wegen Tagessonne und Hitze. In Woche 6, also der vergangenen, hatten wir alle – unsere Mitradler und wir – einen „Durchhänger“, einige sind krank geworden, andere einfach müde und „homesick“. Als wir die Freunde vor kurzem verlassen haben, hatten wir allerdings das Gefühl, dass alle schon wieder hoffnungsfroher, gesunder und mit der Zielflagge vor Augen unterwegs waren. Fazit: „Durchhänger“ einkalkulieren.

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Das Wetter

Mit dem Wetter haben wir bislang unglaubliches Glück gehabt: Es waren nur wenige Regenschauer, die uns erwischt haben: oben in Kanada, aber auch in Colorado. Bevor wir nach New Mexico gekommen sind, hat es hier wochenlang immer wieder geregnet, was uns eine in Teilen grüne Vegetation und ein angenehmes Klima verschafft hat.

Die Ausrüstung,

die wir mitgenommen haben, war gut ausgewählt, von den 3 Garnituren Radgewand über spärliche „Abend-Robe“ bis hin zu einer warmen Fleece-Jacke sowie einer 4-lagigen (wasserdichten) Regenjacke. Auch unser Leichtzelt hat bislang „dicht gehalten“.

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Das Bike

Unser Santana-Tandem-Bike hat Erstaunliches an Belastungen überstanden bislang: (3 Reifen, 6 Ketten, 1 Kassette, 2 Pakete Klebeflicken, 2 Fläschchen Kettenöl, 1 Packung Epoxidharz, 1 Tube Loctite-Schraubenfest, 3 Speichen, 1 Dose WD40, …..)

Der Anhänger

läuft wunderbar nach und springt auch in felsigen Passagen nicht. Einzig bergauf zieht er – beladen mit 25-30 kg – wie ein Gummiband nach hinten. Unsere Tandem-Freunde Palas und Vito haben uns in grobem Schotter mit ihrem schwer beladenen Bike bewundert, wie leichtfüßig wir hinunterhüpfen konnten.

Geld

Dank unserer Sparkassen-Bankomatkarten haben die ATM´s (Bankomaten) bisher immer Bargeld ausgespuckt – wenn auch mit rd. 1,5% Spesen. Jeder ATM-Betreiber verlangt hier zwischen $2,5 und $3,5 – egal ob an der Tankstelle oder in der Bank. Pro Abhebung sind $200 das Maximum. Beträge ab etwa $40 bezahlen wir mit Kreditkarte.
Für jeden kleinsten Betrag und in jedem Lokal gibt es maschinell erstellte Belege – Stichwort „Registrierkassa“.
Aufpassen: Alle Preise sind ohne Steuer angegeben. Zu den angeschriebenen Preisen kommen noch zwischen 4% und 7% dazu.