Great Divide Basin

Nach dem South Pass beginnt das große Great Divide Basin. Ein Bereich, aus dem kein Wasser je einen Ozean erreicht. Falls es hier regnet, verdunstet alles. Wir müssen vorsorgen. Wir essen und trinken noch gut in Atlantic City und füllen unsere Wasserflaschen und -kanister auf.

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Es stehen 100 Meilen an ohne Wasserstelle, quer durch ein wüstenartiges Hochland auf rund 2.300m.

 

 

Zur Nacht ruhen wir in der Nähe eines Sees ohne Zu- und Abfluss. Darin fünf Pelikane. Das Wasser trüb. Wir kochen es ab.

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Heute 7 am Abreise in Richtung Süden quer durch die wasserlose Hochfläche. Wir brechen extra früh auf, damit wir weniger Sonne abbekommen und eher mit unseren Wasservorräten auskommen. Der Weg über die Basin Hochebene entwickelt sich zur anspruchsvollen Mountainbike-Strecke: über steile und steinige Anstiege und Abfahrten – und mit grandiosen weiten Ausblicken über das unendlich weite Land.

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Nach rund 100 km kommen wir in ein Gebiet mit Erdölförderung und treffen endlich wieder auf Menschen (die uns dann auch noch mit Wasser aushelfen 🙂 Nach insgesamt 120 km, bei knapp 40 Grad C, landen wir in der Erdölsiedlung Wamsutter. Sieht spacig aus – ich habe mich selten so über einen Fastfood „Subway“ mit kalten Getränken gefreut …

 

Cowboys und Gold

Nach dem Fahrrad-Service in Pinedale geht es weiter. Mitten in die Rinderherden von Wyoming. Dazwischen Steppe. Die Rinder werden von Zeit zu Zeit beaufsichtigt – durch Cowboys auf ihrem Pferd: mit Lasso zum Einfangen von Rindern.

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Später dann der South Pass. Ein flacher Übergang über die Rocky Mountains, den schon Indianer und die ersten Siedler als einfachsten Übergang nutzten. Am Pass: eine Goldmine. Heute eine verlassene Museumsstadt – South Pass City. Einzig ein Touristenshop mit zwei Bewohnern.

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Waldbrand

Bereits in der Flagg Ranch sehen wir eine Liste der aktuellen Waldbrände. Eine Reihe von Blitzen hat einige Brände entzündet.

Wir fahren – ohne etwas von Waldbrand zu bemerken – los und radeln munter dem Jackson Lake entlang und blicken auf die 4.000er des Grand Teton National Park.

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Dann geht es bergauf bis auf fast 9.600 Fuß. Unser GPS zeigt 2.880m. Stimmt: 1 Fuß = 0,3m.
Nun sehen wir die Ausmaße eines Waldbrandes. Riesige Wolken ziehen über den Himmel. Zwei Hubschrauber mühen sich redlich, den Brand einzudämmen.

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Wir schlafen in der Nähe des Passes und sind unsicher, ob wir die Fahrt über unsere geplante Route fortsetzten können – die Alternative wäre fast 150 Meilen länger!

Am Morgen noch immer dichte Rauchschwaden. Wir fahren durch Nebel, immer mit dem Brandgeruch.

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Die gute Nachricht: Unsere Strecke über den Union-Pass (wieder 9.600 Fuß hoch) ist offen. Je weiter wir kommen, desto lichter werden die Nebel und wir atmen wieder frische Luft.

Nach dem Pass eine nicht enden wollende Hochebene auf tiefem Schotter. Das Bike rollt schwer. Dann noch ein Reifenschaden an unserem Anhänger, der jedoch schnell geklebt ist.

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Wir ziehen heute durch. Eine Nacht in einem staubigen Tal wollen wir uns ersparen und fahren weiter bis nach Pinedale, wo wir uns ein Zimmer gönnen.

144 km, mehr als 1.300 Höhenmeter, und das auf tiefem Schotter.

Morgen Montag müssen wir einen Bike-Shop finden und das Rad servicieren – Kette, Kassette, eine Speiche, einen Ersatzreifen.

Von Lima/Montana nach Idaho via Red Rock

Landschaftlich malerisch und faszinierend ist die „Pampa-artige“ Gegend, die wir von Lima zum Red Rock-Pass durchfahren. Bei ca 40 Grad Celsius geht es über Schotterstraßen durch eine hügelige Landschaft mit vielen Braun- und Grüntönen, in der wir nur manchmal auf Menschen treffen: meist sind es Farmer in ihren großen Pickups. Mein sonst übliches Bären-Alarm-Geklingel kann ich mir sparen in einer Landschaft, die auf viele Meilen hin gut überblickbar ist.

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Es wird ein „fleißiger Tag“, weil wir uns in Lake View und nach knapp 80 km Fahrt entschließen, auch noch den Red Rock-Pass in Angriff zu nehmen: Um 6 Uhr am Abend überqueren wir ihn schließlich und damit die Grenze von Montana nach Idaho.

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Es ist der Tag, an dem in 3 US-Bundesstaaten totaler Stromausfall herrscht und der Campground, in den wir kurze Zeit später einreiten, ist demgemäß im Chaos: Sämtliche ältere Gäste (im Sommer mit ihren 3-achsigen Riesenwohnwägen im kühleren Idaho – im Winter in Texas oder Florida) sind bemüht, mittels Generatoren den üblichen komfortablen Abendzustand herzustellen: heiß Duschen, Haarfönen, Kochen, Fernschauen etc. – Ein Riesenkrach am ganzen Campground.

 

Ghost Town und wilder Ritt

Gestern Abend sind wir in Bannack eingeritten, der ersten Hauptstadt von Montana – jetzt eine Geisterstadt. Es war grad der jährliche „Bannack Day“ angesagt, und die treuesten Fans der einstigen, blühenden Goldgräber-Stadt sind in historischen Kostümen durch die relativ gut erhaltene Stadt gewandelt. Leider haben wir die angeblich original-getreuen Vorführungen von Duellen, Bankrauben usw. versäumt. Die letzten Einwohner Bannacks haben im übrigen erst 1970 die Stadt verlassen.

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Heute morgen sind wir im wilden Ritt von Bannack nach Lima /Süd-Montana geradelt. Die Landschaft wird immer trockener und hat schon ein leichtes Arizona-Flair. Unterwegs treffen wir erstmals auf große Rinderherden – und auf auf Cowboys.

Bevor wir schließlich Lima erreicht haben, gab es noch einen wunderbaren Lunch in Dell für uns: In der 35-Seelen-Gemeinde werden einfach unglaublich gut Hühnchen serviert. 10 Meilen weiter, in Lima, sind wir dann im einzigen Swimming-Pool der Region baden gegangen und haben danach eine wirklich originelle Bar aufgetan.

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Butte

Samstag vormittags kommen wir dann mit großem Speed den Hügel runter nach Butte, einer der größten Städte Montanas. Butte – ein wirtschaftliches Zentrum Montanas aufgrund der riesigen Mine – Kupfer! Angeblich eine der größten Minen der USA.

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Von Butte führte uns der Weg durch die immer trockener werdende Landschaft zu einem Fliegen-Fisch-Zentrum am Hole-River.

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Wir können unser Zelt im Garten der Great Divide Outfitters  – einem Laden für Fischereizubehör – aufstellen. Und heute freuen wir uns schon auf eine Tour in einen der landschaftlich schönsten „Ecken“ Montanas, so die Insider.

Amish: 12 Kinder und 100 Enkelkinder

Es ist unsere bislang härteste Tour, jene von Helena nach Basin. Über einen wunderschönen Mountainbike-Trail, der allerdings für unser Tandem samt Anhänger unfahrbar ist: Wir laufen auf dieser Tour sicher 5 Meilen zu Fuß, über Stock und Stein, das Tandem samt Anhänger durch steile Passagen schiebend, bei Blitz, Donner und Regen.

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Gegen Ende der Abfahrt dann ein lauter Knall: unser Hinterreifen ist geplatzt, Gott-sei-Dank waren wir schon mit reduziertem Speed unterwegs. Der Reservereifen samt Schlauch ist immer dabei und rasch montiert.

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Basin ist ein aussterbendes, ehemaliges Bergbaudorf, in dem die meisten Geschäfte geschlossen sind.

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In einer der Minen gibt es Radon-Gas, das einige Kurgäste anzieht – sie alle wohnen dann am Campground vor der Mine. Dort haben auch wir uns – sehr erschöpft – am Abend niedergelassen und prompt Besuch von den Nachbarn erhalten:

Amish – Fotografieren verboten!

Amish-People, Vater Dan mit langem weißen Bart und in Latzhose, seine Frau, die Töchter und Enkeltöchter in langen Kleidern und mit weißer Kopfbedeckung.

Er ist stolz auf seine 12 Kinder (die er fast alle verheiraten konnte) und vor allem auf seine exakt 100 Enkelkinder. Dan’s Vorfahren sind aus der Schweiz in die USA, in den Mittleren Westen ausgewandert und leben streng nach der Bibel – und davon hat er zwei deutschsprachige Ausgaben mit. Sie sprechen im Übrigen „Pennsylvanian Deutsch“, wie uns Dan versichert – es klingt eigenartig und für uns fast unverständlich. Verwundert sind wir allerdings über die Motorisierung der amishen Großfamilie: Sie sind in mehreren dreiachsigen Wohnmobilen angereist und verstehen sich – wie wir erfahren – als die „Light-Variante“ der Amish-Kultur. Einen Modernierungs-Trend haben sie jedenfalls nicht mitgemacht: „Wir mögen keine Fotos“, sagt Dan klar, als wir die Kamera aus der Tasche holen wollen.