Into the Wilde of Montana – und dann auch noch die Polebridge Bakery

Von Eureka starten wir über einen steilen Pass in das Flathead Valley: Wälder ohne Ende, dazwischen auch abgebrannte Flächen – ein ungewöhnlicher Anblick – dazu der Blick auf die Berge des Glacier National Park. Die 60 km Schotterstraßen sind technisch durchaus herausfordernd – und der Dauer-Regen macht die Fahrt noch schwieriger. 50 km lang sehen wir keine einzige Siedlung. Schließlich landen wir in einem entzückenden Ort am Ende des Tales: Polebridge. Walter und ich, wir sehen beide furchtbar aus, so komplett parniert in „Erdreich“, samt unserem Gepäck. Macht nichts: Alle anderen Biker, die in Polbridge im Laufe des Nachmittags landen, sehen nicht besser aus und schließlich trinken wir alle gemeinsam ein Bier und essen die wunderbaren Bäckereien der besten Bakery, auf die ich jemals in der Wildnis getroffen bin.

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Abends, nachdem wir im Hostel oberhalb eingecheckt und Wäsche gewaschen haben, feiern wir dann mit den Bikern des US-Adventure Cycling Club in der „Northern Light Bar“ gleich nebenan – mit Western-Live Musik.

 

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Der Sonntag bringt dann blauen Himmel „wie frisch gewaschen“ und wir nehmen den nächsten Pass, den Red Meadows Lake-Pass, in Angriff. Danach erleben wir die schnellste Abfahrt unserer bisherigen Tour, mit Spitzengeschwindigkeiten bis zu 55 km/h auf Schotterstraße –am frühen Nachmittag sitzen wir dann schon beim Lunch in Whitefish am gleichnamigen Lake – und fünf Stunden später bereits am Swan Lake, Tagespensum 140 km.

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Kodiak Hostel in Fernie

 

Wer jemals nach Southeast British Columbia reisen sollte, im Sommer zum Biken und vor allem im Winter zum Tiefschneefahren, der sollte im Kodiak Hostel in Fernie absteigen! Unglaubliches Flair in den Stockbettzimmern und erst recht im Pub downstairs: Zwischen ausgestopften Grizzleys und Elchgeweihen lässig am Billardtisch oder mit Einheimischen an der Rustikal-Bar zu stehen, das hat was! Dazu gibt’s dann Bob Dylan, John Denver ua und ein gutes Bier nach dem anderen. Vom Stockbett lassen sich Gebirgsketten und Skipisten problemlos besichtigen. – Frühstück mit Pancakes und Kaffee sind im ohnehin schon günstigen Zimmerpreis inbegriffen.

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Von Fernie gings dann über Schotter- und Asphaltstraßen in Richtung Montana/USA. Die Landschaft verändert sich merkbar, die Gebirge werden zu Hügeln, die Wiesen und Felder weiter – und – auffällig nach der Grenze – die Pickups werden merkbar kleiner (nach europäischen Maßstäben noch immer groß) und älter. Die Preise in den Tankstellen/SB-Märkten haben auch ein deutlich niedrigeres Niveau als die kanadischen Preis-Gipfel. Vor der Grenze bitte noch in Annis „Quality Quilt“-Laden reinschauen – es zahlt sich aus.

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Der Grenzübergang dauert cirka 15 Minuten (Fingerprints usw.) und dann sind es nur mehr wenige Meilen bis nach Eureka, wo wir neben einem kleinen Freilicht-Museum auf der Wiese campieren dürfen.

Große Überraschung im Sportgeschäft von Eureka/Montana – Walter sagt noch zu mir: „Geh lieber nicht hinein“, nachdem er kurz reingeschaut hat. Und dann bin ich wirklich überrascht (denn wer glaubt denn schon, was die Medien in Europa so über das rurale „Amerika“ so berichten … 😉 – „Save Freedom – Stop Hillary“, sagt die Verkäuferin noch mit voller Überzeugungskraft.

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Schuh-Reparatur

… auf dem Weg nach Fernie treffen wir auf einen überdimensionalen Wiesenfleck, der die gesamte Geschichte der amerikanischen Autoindustrie beinhaltet.

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Jeep, Bj 1957, frisch restauriert

Es „klingelt“ im Kopf und wir stürmen Rorys Grundstück mit der Frage nach einer Schraube für unseren Bike-Schuh. „Na klar“, sagt Rory, der sein Leben als Hirsch- und Bären-Hunter, in der Kohle-Mine von Elkford und zwischen alten Autos verbracht hat. Die Schraube ist in einer seiner zahlreichen Werkstätten rasch gefunden und zurecht geschnitten – und dann erzählt er uns sein ganzes Leben. Was für ein herrlicher Vormittag in BC!

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Suchbild: Finde den Schuh!

Wie geht’s uns nach rund 300 k ?

Walter ist wie immer quietsch-vergnügt und entspannt: Für ihn waren die vergangenen Tour-Tage eine Aufwärmübung. Bei mir sieht es anders aus: Ich spüre leichte Oberschenkel-Krämpfe am Ende jeden Tages, die ich allerdings erfolgreich mit umfangreichen Dehnungsübungen bearbeite. Was mir im Moment wirklich zu schaffen macht, ist die mittelschwere Verkühlung, die ich mir in der regnerischen Camping-Nacht zugezogen habe: Nasentropfen sind seither angesagt. Dazu kommt noch ein kleiner technischer Defekt, mein Schuh-Clip lässt sich nicht mehr am Pedal fixieren und wir werden unterwegs eine Werkstatt aufsuchen.

Gleich geht’s weiter. Wir verlassen demnächst Elkford, zum Abschied gibt’s noch ein Foto vom Hotel (mit den Motiven ist es hier nicht so leicht) – und fahren rund 90 k südlich nach Corbin.

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Elk Pass

Heute morgen um 7.45 Uhr haben wir unsere Tages-Tour begonnen – nach einem mühsamen Zelt-Abbau nach einer regnerischen Nacht: bei 6 Grad Celsius und inmitten von frisch beschneiten Berggipfeln! Der „Climb“ zum Elk ist einigermaßen herausfordernd: mit steilen Anstiegen, wo wir unser Tandem zum ersten Mal schieben mussten und dann hinauf in die wunderschöne, flache, Passebene.

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Hinunter gings dann durchs Elk River Valley, 80km lang bis Elk Ford. Hier hat es dann Wildlife pur gegeben: gleich zwei kleine Hirsche sind uns buchstäblich über den Weg gelaufen – von Bären oder Elchen (!) keine Spur.

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Nach knapp 90 km sind wir dann im strömenden Regen in Elkford gelandet, ein schlichtes Dorf am Rand einer gigantischen Kohlemine. Die nasse Schotterstraße hat uns und unser Bike ziemlich „paniert“. Da half nur der Wasserschlauch des auf Minen-Fahrzeuge eingerichteten Motels.

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Kananaskas Country

Auf dem Weg von Canmore geht’s dann die breite Schotterstraße entlang in Richtung „Spraylake“, südlich von Banff.

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Kurz Rast machen wir in der „Mount Engadine Lodge“ – übrigens ein herrlich möbliertes Landhaus im rustikal-kanadischen Stil (im Winter logieren hier die Langläufer). Leider hat die Küche nicht geöffnet: es gibt Kaffee, kalte Getränke und den eigenen Proviant.

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Bei wechselhaftem Wetter geht’s dann weiter zu den Kananaskas Lakes, wo wir nach einem Campground für die Nacht suchen und am „Boulton Creek“ dann unser Zelt aufstellen.

Unglaublich die Weiten – Seen, Wälder, schroffe felsige Berge. Unser Bike spurt wunderbar über die Schotterstraße und lässt sich durch unseren schweren Anhänger kaum aus der Ruhe bringen – zumindest nicht bis Tempo 50 bei Bergab-Passagen.